Diese feministischen Übertreibungen…

Wenn ich für Feminismus bin dann setze ich mich gegen Genitalverstümmelung, gegen fürchterliche Arbeitsbedingungen in Sweatshops und Ehrenmorde ein und tu nicht so als wären unerwünschte Penisbilder via WhatsApp und „Mansplaining“ genauso schlimm, nur damit ich was eigenes zum Aufregen hab weil ich leider in der guten Position bin einen glossy Bloggerlifestyle zu leben der mich mit solchen Dingen nicht in Berührung bringt.

Wie mich solche Internetfeministinninnen (sic) aufregen ey. Und dann Männer mobben, die bisschen dicker oder schmuddelig aussehen. Das scheint der neue Feminismus zu sein. Rumheulen wegen Scheiße und Typen mobben. Gratulation. Ihr habt alles richtig gemacht.

 

 

Nicht.

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Da tut sie es schonwieder…

Schwarzers Alice sagt böse Sachen über Charlotte Roche.

Gut, ich sage böse Sachen über beide, aber ich mache das unentgeltlich.

Die Frau Schwarzer hat in ihrem Blog fies über Frau Roche geätzt. Und dabei keinen Unterschied zwischen der Autorin, der Erzählerin des neuen Buches (neues Buch? Muss Zufall sein..) und der Privatperson Charlotte Roche gemacht.

Sie bezeichnet sich dort selbst als das Über-Ich von Roche und ich wundere mich am Ende des Artikels, warum sie von sich selbst nicht im Plural Megalomanis schreibt.

Bevor jetzt jemand denkt omg, die Ente kommt der Roche zur Hilfe, nein, keine Sorge. Ich hab immernoch kein Interesse an Pipikakaliteratur. Was mich eher fesselt an diesem Brief ist, dass er so unheimlich konstruiert daherkommt. Da wird verwiesen darauf, dass beide sich wohl privat kennen, und das, liebe Leute, ist Nährboden für meine Theorie gewesen, dass die meisten „Ich ätz mal den Nachbarpromi an“-Kampagnen tatsächlich auch nichts anderes sind. Werbekampagnen damit man im Gespräch bleibt und sogar die, die keine Finger-in-die-Mumu-Bücher schreiben aber trotzdem gerne was abhätten vom Kuchen ebendas auch bekommen.

Die Tatsache, dass Frau Schwarzer nämlich keinen Unterschied zwischen der Autorin/Protagonistin macht führt pfeilgrade nämlich zum Urgrund, warum die Bücher von Frau Roche so interessant sind (für… manche… Leute). Man gibt den finsteren Abgründen ein Gesicht. Roches Gesicht nämlich. Dass es sich bei ihren Büchern um Teil-Autobiografien handelt, darauf spekuliert man ja. Und jetzt addiert doch mal Frau Schwarzers Brief dazu.

 

Wenn Feminismus daraus besteht, feministischer sein zu müssen als die Feministen, dann, liebe Frauen, sind wir exakt bei dem angekommen, was wir die ganze Zeit bekämpfen. Das sich-gegenseitig-anzicken, das Lästern und all das, warum Männer Frauen (zurecht) verlachen. Diese Förmchenpinkelei. Der Neid. Das Haareziehen. Wofür haben die Frauen all die Jahre nochmal gekämpft? Frauenrechte? Ja, das wär sicher schneller gegangen, wenn man nicht auf dem Weg dahin noch die süßen Hello Kitty-Schläppchen hätte einpacken müssen und die Glamour nich so spannend gewesen wär. Da hätten wir das Frauenwahlrecht bereits im Mittelalter gehabt.

Männer sind (Meer)Schweine…

Wir kennen alle den später folgenden Dialog… Ein paar Tussis sitzen beispielsweise am Straßenrand im Cafe und sondieren akribisch die sie umgebende Männerwelt. Alles mögliche läuft an denen vorbei, man könnte sich die Szenerie wie in Sex and the City vorstellen, nur eben in Deutschland, damit das mit der Sprache hinkommt.

Nachdem also eine Menge Strandgut an den sagen wir mal 3 Tussis vorbeigeschlendert, gehinkt und gekrochen ist  passiert das, was statistisch nicht mehr lange auf sich warten lassen konnte: ER kommt vorbei. Mr. Big quasi. Nicht dass ich Sex and the City je freiwillig gesehen hätte aber man wurde eine Zeit lang sogar von Kerlen damit zugequatscht (vermutlich in der Hoffnung bei mir den Ton zu treffen… Oder die dachten tatsächlich, das wär sone Art Verständnisprothese…).

Wie dem auch sei. ER setzt sich zufälligerweise ein paar Tische weiter ins gleiche Cafe, sodass ihr als Zuschauer und ich als auktoriale Erzählerin uns das Treiben ansehen können. Beschreiben wir IHN mal kurz: Kräftiger Kiefer, gleichmäßige Gesichtszüge, freundliche Augen, ein Lächeln mit dem er Altenheimbewohnern DSL-Anschlüsse verkaufen könnte, breites V-förmiges Kreuz, schmale Hüften.

Helle Aufregung und Geflatter bei den Tussis, soviel ist klar. Aber was dann folgt, ist die verbale Kastration. Das das in Worte gefasste pinke Handtäschchen mit Fell, dass die Tussi ihrem Typen in die Hand drückt damit er vor’m Damenklo in seiner Lieblingsdisco drauf aufpasst, während er auf sie und ihre allerbeste Freundin wartet.

Der is ja sooooo süüüüß…!

*Rückspulgeräusch*

Der is ja sooooo süüüüß…!

*Pause-Taste*

Kennt ihr das, wenn man was hört, so wie Fingernägel auf ner Tafel oder kreischend reißendes Metall, das einem die Plomben quasi aus den Zähnen zieht? Das einem kleine Holzspäne unter die Zehen- und Fingernägel treibt?

Süß.

Adäquate Synonyme, die ich mit eigenen Ohren bereits gehört habe sind übrigens auch „niedlich“ und „putzig“.

Gut, gehen wir in die Ethymologie, dann fühle ich mich wieder etwas sicherer. „Süß“ ist in dem Kontext nicht im Bezug auf unsere Geschmacksnerven zu verstehen sondern als niedlich, possierlich, von lateinisch suavis, angenehm von Geschmack. Es gab dann im Laufe der Sprachentwicklung eine Bedeutungsverschiebung weg von der Nahrung, hin zu denjenigen, die man zum Fressen gernhat. Süß als Synonym für „niedlich“ fände beispielsweise Anwendung bei der Beschreibung von Jung- oder Plüschtieren, vielleicht auch von kleinen Kindern (die grade aufgehört haben zu schreien).

Im Bezug auf einen ausgewachsenen Mann, der zu Zeiten des Homo neanderthalensis eher ziemlich biestig und wehrhaft dahergekommen sein dürfte, scheint mir der Begriff „süß“ doch arg abstrahierend. Ähm, was ich sagen wollte: Seht ihn euch nochmal gut an, diesen breitschultrigen Alphamann mit dem Strahlelächeln, das Muskelspiel unter der Haut, den Dreitagebart, wie cool er den Fußknöchel auf dem Knie ablegt.

*Vorspulgeräusch*

3 Jahre später. ER hat einen fürchterlichen Fehler gemacht. ER hat sich nämlich auf eine Cafebekanntschaft eingelassen und ist seit nunmehr 3 Jahren mit ihr zusammen. Das Haar liegt etwas strohig, der Dreitagebart ist ab weil er zu kratzig war. Um den Äquator zeigt sich eine deutliche Verbreiterung in sämtliche Richtungen, Zeit für Sport war nichtmehr. Zu selbstbezogen sei ER gewesen, hat sie gesagt. Und nachdem sie sich Makroidiotisch (oder wie das auch immer heißen mag…) ernähren wollte und es nur noch rohe Körner (sonntags mit Zitronensaft, ansonsten ohne) gab hatte er beschlossen, allein für seine Ernährung zu sorgen indem er beim Dönermann um die Ecke mindestens fünf mal die Woche aufschlug um „einmal mit alles und scharf“ zu bestellen. Die breiten Schultern hängen resignierend herunter. ER hatte doch alles gemacht, was sie gesagt hatte. Das wiederum war jedoch falsch. Je nach Zyklusstand hätte er tun müssen was sie wollte oder das genaue Gegenteil.

Ach Mönsch Schatzi jetz häng doch nich auf der Couch, ich muss zum Spinning und wollte vorher noch zu Pimkie, ich brauch nen Muff!

Da steht sie in der Schlafzimmertür. Hinter ihr kann man eine Flut an Diddl-Mäusen, pinken Rosen und einen riesigen Kirmes-Teddi erahnen. Die Wände sind malvenfarben gestrichen. Ein Glück, dass man im Dunkeln schläft, denkt ER noch kurz. Auch wenn er das Gefühl hat, dass sich Nachts unzählige Plüschtieraugen gehässig brennend in seine Haut bohren. Dann erhebt er sich. Sein Rücken schmerzt, nachdem sie ihn gezwungen hat, diese eine Szene aus Dirty Dancing mit ihr zu machen. Das mit dem Sport hat er sich seitdem abgeschminkt.

Schatziii, weißt du wo mein Miss Sixty Schal is?

*Pause-Taste*

Da ist es wieder, das Kastrations-I.

Wenn „süß“ am Anfang dieses verheerenden Prozesses steht ist das „i“ am Ende von „Schatzi“ das Ende, das Diminutiv, die Verkleinerungsform. Als würde man Männer nicht so schon genug mit Größen und Kleinen piesaken. Man könnte sich nun streiten, was denn nun fair wäre. Da Frauen aber ständig nach Gleichberechtigung jammern sieht es für mich so aus, als wollten sie hier konsequenterweise ihren Holzweg zuendegehen indem sie, nachdem sie sich selbst in pinke Federboas gehüllt haben ebendas nun auch mit Männern versuchen. Oder anders: Durch die permanente Herabwürdigung des Mannes als „süß“ und „infantil“ und die durch die frauenspezifischen Medien nimmermüde verbreitete Ansicht, Männer seien wie Kinder die man nicht verstehen könne weil sie zu simpel gestrickt seien für das weibliche Gehirn (sic!) nehmen die Damen der Schöpfung nun Rache dafür, dass sie jahrhundertelang weder wählen noch aufmucken durften.

Wäre es nicht großartig, wenn es auch nur eine von diesen Tussis bemerken würde, welch hochgeistige Philosophie sie da verbreitet? Wäre das nicht DAS Feminismusparadoxon schlechthin? Süßfindende Tussi zu sein in der Tradition der Emanzipation? Lol.

Was bin ich froh, dass mein Freund nicht süß ist. Er übrigens auch.