Die Theorie von der Höflichkeit

Ich hab da ja ne total verrückte Theorie. Diese Theorie ist so verrückt, dass eine Tussi im Internet darüber total ausgerastet ist weil sie darauf absolut nicht klarkommen konnte. Wirkt für mich wie eine Art Gütesiegel 😀 Aber mal von vorne:
These:
Mehr Höflichkeit würde das Zusammenleben in vielen Bereichen vereinfachen, so auch mit und innerhalb der LGBTQ-Community.
aka „Wenn Leute die Fresse doch einfach nur ein mal halten könnten verfickt noch eins.“

Wat?
Ja! Pass auf.

Es gibt sie ja noch, die Menschen die Homosexualität und Transsexualität und dergleichen ablehnen. Die Gründe dafür sind egal, das reicht von Angst bis hin zu Projektion und tut hierzu nichts zur Sache.  Diese Ablehnung führt dazu, dass die Leute Berührungsängste gegenüber Menschen haben, die offensichtlich irgendwas an ihrer Geschlechtsidentität „anders“ haben als andere. Das kann zu Beleidigung führen oder zu Ignorieren oder zu Angriffen körperlicher Art, je nach dem was man da halt grade im Umgang mit so einer LGBTQ-Person zu kompensieren hat.

Diese LGBTQ-Sache nicht gut zu finden bleibt ja jedem frei gestellt. Wenn man für sich selbst entschließt man will keinen gleichgeschlechtlichen Sex oder man fände es aus durchdachten Gründen besser, wenn Homosexuelle keine Kinder adoptieren oder heiraten sollten, dann bitte. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, man muss nicht alles mögen oder nachvollziehen können. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass man die LGBTQ-Menschen deshalb jetzt in ihrem menschlichen Wert herabstufen oder aufwerten soll. Nur weil jemand mit seinem Geschlecht nicht zufrieden ist, und oder das gleiche Geschlecht wie das eigene attraktiv findet oder gerne eine Mischung aus beiden Geschlechtern wäre macht ihn das nicht besser oder schlechter. Bloß anders. Ich würde mir das für alle Beteiligten wünschen, dass sie erkennen, dass sie weder mehr noch weniger wert sind basierend auf dem, was in ihren Hosen und Betten vorgeht. Aber leider leben wir in einer Welt, in der Schwule frauenfeindlich, Frauen lesbenfeindlich, Männer schwulenfeindlich, Lesben männerfeindlich und Transgender-Menschen normale-Menschen-feindlich sind und vice versa, in beliebigen Kombinationen.

Nur in letzter Zeit scheint es so zu sein, dass die Hemmungen fallen.

Einerseits weil die Forderung nach einer dritten Extratoilette zur Folge hatte, dass die dritte Extratoilette als Bürde empfunden wurde die einem den Zutritt zu Frauen- oder Männertoiletten verwehrt hat und man durch diese dritte Extratoilette ausgegrenzt würde – also mit anderen Worten Leute fordern Dinge und daraus entsteht irgendeine Schildbürgerei und weil so mancher Einzelne eben sehr laut fordert, schlägt das negativ auf eine ganze Gruppe zurück. Man kennt das ja, da ist dieser eine Türke der nur rumpöbelt und schon hat man da Klischees erzeugt die man auf den nächsten Türken anwendet, weil eben einer über die Stränge geschlagen hat.

Andererseits weil die LGBTQ-Leute immer mehr Ablehnung erfahren und ständig umgebracht werden. Es reicht offenbar einfach auf die Straße zu gehen um zusammengeschlagen zu werden.

Diese ganze Misere wird durch ikonische Personen sehr angefeuert und die Leute steigen da auch gerne drauf ein, sowohl auf die Argumente gegen LGBTQ als auch auf die dafür. Im Prinzip tun beide Seiten an ihren Spitzen nichts anderes als Hetze und Propaganda zu verbreiten. Seien das nun Aussagen wie „Homosexualität ist abartig und krank und gehört verboten!“ oder „Kein Cis-Gender-Heterosexueller ist frei von LGBTQ-Hass! Alle von denen hassen uns! Immer! Die wissen das manchmal nur gar nicht!“ Das ist beides Quatsch und geht mir auf den Sack.
Es ist vor allem im Internet sehr befriedigend und vor allem straffrei, mal so richtig abzuledern über „die anderen“. Das triggert schön die Endorphine, irgendwelche Memes sind schnell geteilt und schon bildet man sich ein, man hätte „etwas getan“ im ewigen Kampf gegen die Konkurrenz. Dass das aber alles schlimmer macht und auf beiden Seiten Öl ins Feuer gießt ist egal, weil man selbst sitzt im Internet in Sicherheit. Nur so langsam ist diese gegenseitige Hetze, nachdem sie ins Internet hineingeschwappt ist, potenziert da wieder rausgeschwappt. Die Leute stacheln sich damit an. Wer das größte Opfer ist oder am härtesten mit der Hölle gedroht hat, gewinnt.

Jetzt könnte man sagen lasst et doch einfach. Dat raubt einem nur Lebenszeit und wenn man mit dem Feuereifer versuchen würde Manager zu werden wie man die „anderen“ hasst und beschuldigt, dann wären ne Menge Leute viel erfolgreicher.

Aber, nachdem man sich überlegt hat dass das alles Dreck ist mit diesem „wir gegen die“, was soll man denn da tun? Ich meine, das sind ja immernoch „Komische“, diese Heteros/Homos/Transen/Whatnot? Und hier kickt das, was ich Selbstbeherrschung nenne.

Stell dir vor du bist in ner Bar hinter der Theke und musst nem schwulen Pärchen Bier ausschenken, obwohl du Schwule echt nicht leiden magst wegen ihrer teilweise femininen Art. Nur mal so um Randbedingungen festzulegen. Du hast die Wahl, zu sagen dass sie sich verpissen sollen, oder du schenkst Bier aus und bekommst dafür Geld. Ist es das wert, zwei Leute wegen ihrer Sexualität rauszuwerfen und dann kein Geld zu bekommen, und zu riskieren dass du deinen Job verlierst wenn dein Chef das rausbekommt? Was denken die anderen Gäste dann über dich? Die kommen womöglich nicht wieder. Vielleicht greift dich sogar einer der Anwesenden körperlich an?

Mit anderen Worten: Wenn es dir moralisch nicht möglich ist, die Sexualität anderer zu ignorieren, dann greif einfach zur Logik. Und zur Höflichkeit. Letztere wurde genau deshalb übrehaupt entwickelt. Um in Situationen, in denen die Gemüter hochkochen könnten, genau das zu vermeiden. Zu lächeln, Bier auszuschenken und Geld zu kassieren tut dir nicht weh. Es ist professionell, über solche Dinge einfach hinwegzusehen, dir nicht anmerken zu lassen, dass du das Beispielpärchen wegen seiner Sexualität ablehnst. Zuhause, in deinem Kopf, kannst du natürlich glauben, dass die Leute für allerlei in die Hölle kommen. Das sind bestenfalls Gedankenverbrechen die niemandem wehtun außer vielleicht deinem Psychiater, wenn du ihm davon erzählst. Aber auch der ist höflich genug nicht zu sagen dass du einen kapitalen Dachschaden hast. Merkste? Die Welt funktioniert so. Und lass dir gesagt sein, dass wenn du dein Gedankengut an deine Kinder oder Freunde weitergibst, du die Teilverantwortung dafür trägst dass sie wegen ~feindlichkeit nicht ihren Job verlieren oder irgendwessen Leben ruinieren. Du hast große Teile davon in der Hand.

Wir müssen uns nicht alle abgöttisch lieben. Wir müssen auch nicht damit einverstanden sein, was andere machen. Und gegen manche Sachen muss man sich auch aktiv zur Wehr setzen, wie bei Unterdrückung, Terror, Betrug und dergleichen. Aber checkt mal die Relation. Nur weil jemand irgendwo auf der Welt mit irgendwem einvernehmlichen Sex hat, oder sich n Kerl ne Damenstrumpfhose anzieht schadet dir das nicht. Du kriegst das meiste von dem kinky Stuff der in den Schlafzimmern abgeht nicht mal mit. Und nur weil du vielleicht alle die dir nicht zustimmen als transfeindlich bezeichnest werden dir nicht mehr Leute zustimmen. Im Gegenteil, wenn du so einen Wind machst und um dich beißt sagen die ganzen Transsexuellen womöglich hey, hör auf für uns zu sprechen und so eine Scheiße zu verbreiten. Das ist nicht unsere Meinung. Kurzum, wenn man darauf Wert legt, wie alle anderen behandelt zu werden, dann krakehlt man keine Scheiße durch die Gegend.

Naja.

Eigentlich weiß ich auch nicht was an dem ganzen Kram da jetzt auszusetzen ist. Außer halt dass wenn alle sich benehmen würden, man auf so plakative Aktivistenscheiße verzichten könnte. Alle Leute hätten generell das Gefühl angemessen behandelt zu werden, niemand müsste mehr Respekt einfordern den er nicht bekommt weil manche Leute das gar nicht einsehen Unbekannten mit einer Achtung entgegenzutreten, die sonst nur Leuten gebührt die signifikante Dinge geleistet haben. Aber vielleicht war diese Respekt-Sache auch das, was das Hirn da zum platzen gebracht hat. Respekt muss man sich erarbeiten. Höflichkeit bekommt man gratis. Den nutzen von Höflichkeit sehen die Leute ein – nämlich Situationen nicht eskalieren zu lassen. Man kann Leute nur zu dem Gefühl von Respekt nicht zwingen. Auch wenn manche das gerne hätten.  Die Quintessenz davon steht ja bereits oben. Lass deine nervige Scheiße einfach in deinem Kopf drin und geh anderen nicht auf den Piss mit irgendwelchen religiösen, rassistischen oder ideologischen Kotphrasen, die dich bloß als Idioten dastehen lassen. Und wer dagegen ist, dass ich sage dass sich die Leute gefälligst zu benehmen haben, der ist im Prinzip auch für diese Endorphinmasturbation die sich die Leute schön über ihren Internetaktivismus downloaden können und dadurch nix erreichen. Außer halt Hass zu säen in irgendeine Richtung.

Gratulation! Haste gut gemacht, Kind. Hauptsache is, im eigenen Kopp summt et ordentlich und die beiden Gehirnzellen jagen sich.

 

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