96h Deoschutz…

Moderne Hochleistungsdeos sorgen dafür, dass man nicht stinkt. Das ist ein tolles Feature, das allerdings zu Lasten der Gesundheit gehen kann.

Hochleistungsdeo?  – Ja, Hochleistung. Früher war das höchste der Gefühle, 24 Stunden lang sicher zu sein, nicht auszudünsten. Heute kommen Deos mit 48 Stunden Wirkdauer daher. 48 Stunden lang wird die Schweißproduktion auf ein Drittel der Normalmenge heruntergefahren und die Bakterien, die für die Schweißzersetzung und somit für den Geruch verantwortlich sind, werden abgetötet.
(Grade hat mir jemand ein 96 Stunden Protection Deo gepostet was auf einer Skala von 1 bis 10 die Unnötigkeitsmarke klingelnd durchschlägt…)

Wenn man völlig normal gesund ist hat man Glück und wird sich mit der Fragestellung nicht unbedingt beschäftigen müssen. Andere wiederum bekommen das Ausmaß der Wirktätigkeit herkömmlicher Deos mit voller Breitseite zu spüren: in Form von Ausschlag, Juckreiz, Nässen und dergleichen.

Was also ist drin, im Deo?

* Duftstoffe aller möglicher Art, meist synthetisch.

* Emulgatoren. Emulgatoren sorgen dafür, dass sich zwei Flüssigkeiten verbinden, die sich sonst nicht mischen lassen wie Wasser und Öl beispielsweise. Gibt man einen Emulgator hinzu, bekommt man eine Emulsion. Milch z.B. wäre so eine Emulsion, bei der Wasser, Fett und Eiweiß homogen vermischt sind. Und genau das braucht man eben auch für die Flüssigkeitsgemische in Deos. Was Emulgatoren (namentlich Polyethylenglykole, PEG) im Deo noch tun ist, die Haut durchlässiger zu machen für alles, was von draußen reinkommt. PEG kommt aus der Petrochemie.

* Aluminiumchlorid, Alumiuniumchlorohydrate, kurz, Aluminium. Aluminium verstopft die Poren der Haut, damit kein Schweiß mehr austritt.

* z.B. Triclosan, also antibakterielle Stoffe, die die Bakterien abtöten, die sonst den Schweiß unter Geruchsbildung zersetzen.

Dass es nicht gut ist, sich ständig selbst zu desinfizieren weiß man spätestens seit dem Klischee, dass die desinfizierten Stadtkinder alle Allergien haben und die schmutzigen Landkinder kerngesund sind, weil deren Immunsysteme bereits Kontakt mit einer vielzahl von Keimen hatten. Und dass es nicht gut ist, die Haut stellenweise durchlässig zu machen um dadurch dann Chemikalien eindringen zu lassen dürfte auch auf der Hand liegen.

Was also tun?

Umsteigen. Aber auf was? Und wie?

Zuerst das wie:
Damit, dass man einfach ein Bio-Deo aus dem nächsten Biomarkt zerrt, ist es nicht getan. Der Körper und die eigene Nase sind ja an die Wirkung normaler Deos gewöhnt. Und eigentlich ist die Bezeichnung „Deodorant“ in dem Fall auch falsch, weil diese ganze Wirkweise mit den verstopften Poren und den getöteten Bakterien für ein Antitranspirant steht, das das Schwitzen verhindern soll. Deodorants verhindern hingegen nicht das schwitzen, sondern überdecken mit Geruch und enthalten vielleicht bakterienhemmende Inhaltsstoffe. Man darf sich bei der Umstellung also darauf einstellen, dass man am Anfang müffelt.

Und auf was?

Man achte darauf, dass Aluminiumchlorid, Desinfektionsmittel (Triclosan), PEG und künstliche Duftstoffe nicht drin sind – klar. Die herkömmlichen Firmen, die man im DM und Rossmann findet und die unter Bio laufen (Alterra, Sante, Alverde, Weleda u.a.) bieten allesamt Deos in ihrem Sortiment an. Plastikfrei sind die jedoch nicht. Spätestens Kappe und Sprühknopf sind als Plastik, auch wenn die Flasche aus Glas besteht (Alterra), wenn nicht sogar komplett aus Plastik. Bei Rollern sind der Ball und die Kappe aus Plastik (Alterra, Alverde).

Wolkenseifen-Deos sind  vegan und frei von Aluminium, aber wohl nicht plastikfrei.
-> http://www.wolkenseifen.de/ (direktlink: http://www.wolkenseifen.de/index.php?cat=c66_Deodorant-Creme-Deocreme.html) 7,50 Euro – uff.

Lush bietet in Seifenstückform ein Produkt namens „T’eo“ an, das mit einem Preis von 8,95 Euro allerdings happig ausfällt für den kleinen Geldbeutel.
http://www.lush-shop.de/t-eo-deo-90-g.720.html

Alternative Deokristall:

Alaunstein. Alaunstein verstoft die Schweißdrüsen genauso wie herkömmliches aluminiumhaltiges Antitranspirant-Deo. Eigentlich wirkt bei Alaunstein Aluminiumkaliumsulfat, mit saurem PH-Wert, das die Poren zusätzlich noch zusammenzieht.  Deokristalle aus Alaunstein wirken ja zumindest auf den ersten Blick irgendwie alternativ, deshalb erwähne ich die hier nochmal separat. Es handelt sich also nicht um ein Naturprodukt sondern um gegossene bzw. gezüchtete Kristalle aus einer ganz normalen Fabrik. Die Menge an Aluminiumverbindungen, die bei dieser Art von Deo auf die Haut einwirkt, ist um ein vielfaches höher als bei den herkömmlichen Antitranspirant-Deos. Vergleich: In normalem Deo ist der Alu-Anteil bei 5%-30%,  der Deokristall besteht zu 70 – 100 % aus Aluminiumkaliumsulfat. Um Alaun herzustellen braucht man im Übrigen Bauxit, das in Minen in unter anderem China, Brasilien, Kamerun und Guinea abgebaut wird, und die Abbaubedingungen kann man sich vermutlich vorstellen. Es soll wohl auch Leute geben, die solche Kristalle in moralisch vertretbarerer Form herstellen und sich etwas mehr Mühe geben, aber inwieweit das nun alles stimmt, ob die einen Kristalle („Holzlehner’s Original Deo-Kristall“) schonender sind als die anderen, vermag ich von hier aus nicht zu beurteilen.

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