Know the difference

Der Unterschied zwischen curvy und fat ist es, um den es geht.

curvyfat

Klar, seinen Facebookavatar in ein doofes Bildchen mit zwei halbnackten Frauen abzuändern ist keine große Sache – aber doch zeigt das ein paar Dinge auf.

Zum Beispiel, dass sich Leute nicht ändern, wenn sie nicht durch Prügel gezwungen werden.

Oder dass das Verständnis von Dünn – Kurvig – Dick offenbar in Extreme abgleitet, wenn man sich überlegt, dass die „Kurvige“ auf dem Foto nicht kurvig ist sondern bestenfalls beim medizinischen Normalgewicht liegt.

Sicher, bei solchen Bildchen geht es um den schnellen Gag und darum, dass man sich nochmal zwischen Tür und Angel distanzieren kann, weil man sich lediglich dadurch zu definieren weiß, wenn man klarstellt was man nicht ist und was man nicht präferiert, weil einem andere Mittel zur Selbstfindung offensichtlich fehlen.

Man kann also sagen, es ist ein Homer Simpson’scher D’oh-Moment, wenn der Facebookavatar in das obige Bild geändert wird und dessen Besitzer zufällig jemand ist, der in der Vergangenheit nicht mit solchen Anmerkungen in meiner Gegenwart gespart hat.  Der D’oh-Moment wird nur dadurch d’oh-iger, also für ihn jetzt, wenn man ihn wissen lässt, wie man das findet.

Zurück zum interessanten Teil:

Wenn man die Dame auf dem linken Teil des Bildes betrachtet ist sie zwar kein Mager-Model, aber immerhin schlank und sie hat lediglich eine größere Körbchengröße. Die Dame auf der rechten Seite wurde zudem noch unvorteilhaft eingefangen und im Prinzip wird da ein Posing-Modelfoto mit einem schluffigen Strandschnappschuss verglichen. Wenn man das ganze also subsummiert kommt man zu dem Schluss, dass auch in der Werbung so gearbeitet wird um die Extrema weiter zu verdeutlichen (Vorher-Nachher-Werbeblöcke im Nachtprogramm) und dass dadurch umso mehr suggeriert wird, dass man in jedem Moment seines Lebens darauf achten soll bzw. muss, dass man perfekt aussieht, selbst wenn man plant, in Schlüpper und Bikinioberteil am Strand entlang zu gehen und es einem eigentlich sogar völlig egal ist, wie man aussieht, weil man Urlaub hat. Man könnte fast unken, irgendwann werden sich die Jungs und Mädels wirklich fies erschrecken wenn sie zum ersten mal Sex haben, weil ihr Partner nicht so aussehen wird wie aus dem Katalog oder auf Youporn, denn bis zu diesem Punkt werden alle Menschen in den Medien, die man zu sehen bekommt, ihrer markanten Punkte beraubt worden sein.

Kann das das Ziel sein, ja wünschenswert, dass die Menschen in der Masse zumindest alle gleich „perfekt“ aussehen? Perfekt im Sinne der Mode der entsprechenden Zeit, natürlich. Ein wenig suggeriert einem das ja die Beschreibung, jemand sei ein Individualist, weil er sich nonkonform kleide oder frisiere bspw. und der Ausdruck des Individualisten birgt schon fast eine Problematik – nämlich die Frage „Sollten wir nicht eigentlich alle Individualisten sein?“ weil wir ja alle Individuen sind. Paradox wird es, wenn einem die Werbung vorschreibt welches Duschgel, welche Jeans und welche Frisur man zu tragen hat, einem rührselige (und durchgestylte) Fernsehtanten aber verkaufen dass jeder etwas ganz besonderes ist und einzigartig. Die optische Gleichmacherei ringt mit der psychischen Individualität und denkt garnicht ans aufgeben.  Die Hervorhebung des „Individualisten“ beinhaltet eigentlich immer ein „JA!!! Aber…“.

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Ausflug in die Steinzeit:

Man möchte seinen Stamm zusammenhalten, hat eine Art wir-Gefühl  und strebt danach, das auch nach außen zu transportieren. WIR sind die, die sich die Haare mit rotem Schlamm färben. Ihr nicht. Deshalb seid ihr kein Teil von uns und könnt auch nichts von unserem Essen abhaben.
Der Individualist färbt sich möglicherweise die Haare mit Schlamm, aber nicht rot sondern grün. Er gehört somit nicht zu ‚denen‘ aber auch nicht so richtig zu einem selbst. Ist ihm zu trauen?

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Extrapoliert man das in die Jetztzeit dann hat man da seinen Individualisten, der zwar irgendwie aussieht wie etwas, was man kennt (Mensch), aber signifikante Merkmale geändert hat (Haare, Kleidung, Sprache, Piercings, Moral etc.). Den Individualisten unterscheidet allerdings eine wichtige Sache von anderen Leuten, die auch auffallen: Er hebt sich willentlich von seinen Artgenossen ab. Er könnte auch zurückkehren zu einer konformistischeren Lebensweise, so er es mit sich vereinbaren könnte und wollte.

Im Kontrast dazu steht natürlich jeder andere, der unfreiwillig auffällt, um den thematischen Torus an der Stelle mal zu schließen. Bleibt also nur zu sagen, Lästern ist das Lausen der Menschheit und die sozialen Vorgänge die ablaufen sind erklärbar, verstehbar, und dennoch nicht immer erfreulich oder schön.

Carpe diem 😉

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