facepalmige Frauenbewegung

Jaja die Brigitte. Vorzeigezeitung im Wartezimmer für die halbmutige Frau von gestern.

Nicht nur hat diese Zeitung eine Generation Frau – Artikelreihe gestartet – nein. Sie treift auch noch vor Männerhass und der Umkehrung alter und doofer Rollenklischees, die Frauen schon seit Jahren nicht mehr haben wollen und die deshalb grade noch gut genug sind für Männer. Yay.

Da zitiert man eine israelische Autorin, die das Ende der Männer heraufbeschwört weil heutzutage weiblichere Fähigkeiten gefragt sind, und deren These im Handumdrehen so widerlegt ist wie die Annahme dass die Existenz einer Krokodil-Ente Bedingung für die Richtigkeit der Evolutionstheorie sei (danke an Kirk Cameron an dieser Stelle.)

Die Wirtschaft nämlich ist weiterhin Männerdominiert. Nicht so krass wie anno dazumal aber immerhin noch so sehr, dass man sich fragen muss, wie es denn kommt, dass unter (Klischee-) Männern plötzlich weibliche Fähigkeiten wichtig werden, über die sie ja ganz offensichtlich nicht verfügen. Klar könnte man sagen dass das eben der Lauf der Dinge ist und man nun eben eher miteinander spricht anstatt sich mit der Keule – ihr wisst schon. Dabei ist die Annahme, Männer seien per se nicht zu Kommunikation fähig schon zutiefst Menschenverachtend. Stellt man sich die Aussage nämlich andersherum vor (Frauen sind halt so’n bisschen doof mit Mathe, ne, die sind halt nicht so gestrickt dass sie … weißte… die können halt besser quatschen…) dann weinen sie wieder alle, wie überkommen solche Ansichten sind und dass man das ja nicht sagen kann, dass es sehr wohl brilliante Gegenbeispiele gibt. Und so.

Es ist ja ganz nett, dass die Brigitte ein irgendwie geartetes Frauenbild zeigen möchte – von Frauen, die „es“ geschafft haben. Sei es nun Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen und dabei auszusehen wie ein Topmodel oder trotz Kriegswirren Prima Ballerina zu werden. Das sind zweifelsohne alles schöne Geschichten. Ich muss nur kurz einen Fuß vor die Tür setzen um zu sehen, dass das nichts mit der Generation Frau zu tun hat, die sich auf der Straße tummelt. Da sehe ich nämlich gertenschlanke Mädels die allesamt aussehen wie aus dem neuesten Beyoncé/Rihanna/Miley Cyrus-Video, mit Smartphone und Täschchen in der Hand und sonnenbebrillt gen Sonne blinzelnd. Sonnenbrillen heißen nun Shades. Und dann sind da die plumpen Trampel, die zwar ähnlich enge Hosen tragen, denen das Hüftgold aber über den Bund schwappt wie ein übergelaufener Eierbecher. Die die gleichen engen Tops tragen, bei denen sich aber die Bauchfalten sichtbar abmahlen. Mit ähnlichen Sonnenbrillen, allerdings ohne Starbucksbecher, dafür mit einer Tüte vom 1-Euro-Laden. Gruftis und Emos gibt’s nicht mehr. Zumindest nicht hier. Dazwischen gibt’s noch Mädels mit Blusen und Jeans die irgendwie kumpelig aussehen, Mädels mit Kopftüchern, und das ganze ändert sich mit den Altersstufen nach oben nur wenig. Die Klamotten werden wahlweise breiter und/oder teurer, der Schmuck weniger oder massiver und wirklich nur ein ganz fürchterlich kleiner Prozentsatz von denen sieht so aus wie die, die sie in der Brigitte zeigen. Und noch weniger von denen würde ich zutrauen, dass deren Leben ähnlich gelaufen ist wie das, was da in der Zeitung beschrieben wird.

Generation Frau. Offenbar gehöre ich da ja nicht zu, mit meinem Ideal von Heim und Herd, vielen Kindern, einem funktionierenden sozialen Netzwerk außerhalb des Internets, wo es darauf ankommt was im Kopf zu haben und dann erst auf dem Bankkonto und im Büstenhalter. Wo es ok ist dass Frauen und Männer sich nicht in allem verstehen, das aber auch garnicht müssen.

Das ist alles verquast. Ein Beispiel. (Ein persönliches sogar.)

In meiner beachtlich kurzen Liste der Exfreunde befindet sich einer, dem es niemals auffallen würde (nicht einmal, wenn man ihn sehr lange mit einem entsprechend beschrifteten Schild schlagen würde), dass Frauen nicht immer zickig sind, durchaus handwerkliche Fähigkeiten haben und sich an den typischen „Frauensachen“ wie shoppen oder stundenlang trivial zu telefonieren nicht erfreuen können. Für ihn gibt es exakt eine Art Frau, die zickige, übergebühr quatschende Tussi, die komisch-überzogene Ansprüche stellt und er pfropft dieses Bild jeder einzelnen Frau die er trifft auf. Ja, das ist nervig und ja, das ist ein guter Trennungsgrund, aber noch viel mehr ist das irgendwie eine Mischung aus verständlich, Verzweiflung, Resignation und pawlowschem Lernen.

So. Jetzt könnte man ja meinen, dass diese Frauen aus diesen Artikeln es ihm dann ja mal beweisen könnten. Die könnten ja zeigen, dass sie erfolgreich und garnicht dumm sind. Aber nein. Es kommt die eingangs erwähnte israelische Autorin daher und sagt das Ende der Männer ist gekommen. Und egal wie merkbefreit ein xbeliebiger Mann auch ist, er wird zurecht kurz innehalten, sein Unterkiefer wird etwas runterklappen, er wird den Kopf schieflegen, die Augenbrauen verziehen und „Was will mir die Bekloppte erzählen?“ denken. Zurecht. Weil die Lösung der modernen (und zu einem Gutteil herbeigeredeten) Mann-Frau-Problematik in den westlichen Industrieländern sicher nicht das Abdanken der Männer aus der Lebenswelt der Frauen ist.

Die Generation Frau der Brigitte besteht aus einer Ballerina, einer Frauenrechtler-Autorin, einer Besitzerin eines Schmucklabels mit sehr viel rotem Lippenstift, einer Modebloggerin, einer Social Network-Unternehmerin, einer „Arbeitsvermittlerin“ für Dritte Welt-Menschen an Erste Welt-Jobs, einer Outdoor-Ausrüstungsfirma-Besitzerin, einer Meditationsforscherin und der ersten saudi-arabischen Regisseurin. Alle schlank und/oder gestylt. Keine davon sichtbar behindert oder nur-zuhause-Mama. Und irgendwie riecht das alles populistisch.

Schmückende Zitate:

„Ich möchte Macht, damit ich etwas verändern kann.“
Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin
Frauen bestimmen rund 80 % des Einkaufs an Konsumgütern.
„Ich habe BWL studiert, weil ich wissen wollte, warum die Jungs da zu Scharen hingehen und hinterher viel Geld verdienen.“
Mechthilde Maier, Managerin bei der Deutschen Telekom
Und mein persönlicher Favorit:
Mädchen werden in Deutschland im Durchschnitt früher eingeschult, sie wiederholen seltener eine Klasse und besuchen häufiger ein Gymnasium als Jungen.
Die ersten drei sind ein bisschen tumb und klingen naiv. Bei dem vierten möchte man eigentlich nur Scheiße schreien. Scheiße, weil das nicht die Mädchen ehrt, die besser in der Schule sind sondern Scheiße, weil das ein erschreckendes Bild über den Umgang mit männlichen Schülern zeichnet. Geht’s noch? Das ist doch kein Aushängeschild dafür, dass Frauen „es“ geschafft haben.
Querverlinkt findet sich auch der folgende Artikel auf der Brigitte-Page:
Wo Aktivistinnen anprangern, dass Mädchen weibliche Vorbilder und keinen sinnlosen pinken Plüschramsch brauchen.
Wisst ihr… wenn ich als Kind mit sinnlosem pinken Plüschramsch spielen wollte, dann hab ich das gemacht. Ich hab stundenlang Barbies gekämmt und heiraten lassen, sie in sexistischen Badeanzügen oder sogar nackt baden lassen und wenn ich Lust hatte, mit She-Ra die Welt zu retten, dann hab ich auch das gemacht. Ohne dass mir irgendeine Aktivistin sagen musste, dass das auch geht. Das ist nämlich der Witz an Kindern. Die werden nicht doof, weil sie doofes Spielzeug haben. Die werden doof, wenn sie doofe Eltern haben. Und das nichtmal garantiert.
Könnten sich Aktivistinnen bitte bitte wichtigerer Themen annehmen? Da werden in Afrika immernoch Mädels beschnitten. Es arbeiten immernoch zig Frauen ehrenamtlich für diverse Institutionen und opfern sich auf und die sehen dafür nichtmal einen feuchten Händedruck. Oder wie wär’s mit ’ner Lobby für eingeschränkt fruchtbare Frauen und mehr Möglichkeiten für künstliche Befruchtung und Adoption, sodass man sich die auch Leisten kann wenn man nicht spontan Zigtausende auf dem Konto hat (aber dennoch ein geregeltes Einkommen das für die Versorgung eines Kindes reicht). Oder was ganz tolles – malwieder ne Aufklärungskampagne für Babyklappen und Verhütung, damit niemand aus Unwissenheit gezwungen ist sein Kind im Müll zu entsorgen. Aber schon klar, eine Schmuckdesignerin mit signalrotem Lippenstift ist optisch reizvoller. Und Frauen sind ja auch eher so, dass sie nach der Optik gehen und … schon klar.
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Ein Kommentar zu “facepalmige Frauenbewegung

  1. Oh je… viel mehr fällt mir dazu gar nicht ein… das ist nicht nur populistisch, das ist einfach fernab jeder Realität…“erfolgreich sein“ als einzig akzeptierbares Lebenskonzept. Da wird mir mal wieder bewusst, wie notwendig es ist, was anderes zu zeigen. Danke dir auf jeden Fall für den Artikel…

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