Living Paganism IV: Christen? Pfui Spinne!

Viele kennen das aus erster Hand – sie waren jahrelang selbst eingebettet in christliche Gemeinschaften oder haben eine atheistische Erziehung erfahren in der der Tenor eher christenkritisch war. Und irgendwann kamen sie an einen Punkt (gerne auch in der späten Pubertät, wo das mit der Sinnsuche anfängt), wo sie sich definieren mussten. Sich selbst zu definieren geht am einfachsten über das, was man ablehnt. Beispiel: „Ih kuck mal da hinten wie die angezogen sind!“, „Wir müssen uns gegen die rechte/linke/islamistische/kommunistische/jüdische/egal-istische Bedrohung zur Wehr setzen!“ oder „Alle, die nicht unseren Glauben haben, fahren zur Hölle.“

Jetzt ist es nur so, dass wenn man sich einmal vollständig von seinen Gegnern abgegrenzt hat, man damit fertig ist. Was bleibt einem also, wenn man alle Klamotten gekauft und getragen hat, die Christen/Normalos/Bonzen/xbeliebiges Feindbild, auf die Palme treiben? Wenn man sich Jahrelang mit Freunden darüber unterhalten hat, wie schlecht „die“ sind, das man selbst „es“ begriffen hat und „die“ leider unrettbar verloren sind?

Vielen bleibt häufig nichts, sie ziehen sich zurück, gehen ein wenig in Klausur, verkaufen ihre Odin-statt-Jesus-T-Shirts, gehen zu H&M und vergraben ihre damals lauthals vertretenen Ideale und Ideen in einer Truhe auf dem Dachboden.

Was bleibt, ist die Frage, ob es sich gelohnt hat, der Exkurs in die (heidnische) Subkultur bzw. Szene und viele werden ja sagen. Das war etwas, wo man dran wachsen konnte, Selbstfindung und Chrakaterbildung. Aber was ich mit der Frage, ob es sich gelohnt hat, eigentlich meine ist: Hat es sich gelohnt, für die eigene Selbstfindung anderen Leuten mutwillig auf den Schlips zu treten?

Um eins vorweg klarzustellen. Ich spreche hier nicht über die Fälle, wo christliche Fundamentalisten Leute bedrängen, die einfach „ihr Ding“ machen wollen.

Es geht eher um die Exemplare aus der Heidenszene, die nach Toleranz schreien (und Akzeptanz meinen) und im gleichen Atemzug selbst lästern, was das Zeug hält. Und es geht darum, dass solche Leute, egal welcher Religion sie angehören, ein Ärgernis sind, weil sie Unruhe stiften. Es ist leider so, dass man sich die lautesten und auffälligsten Vertreter einer Gruppe meistens merkt und sie als Etikett für die Schubladendenke verwendet.

Man könnte mir nachsagen ich sei besonders christenfreundlich und vermutlich hat man damit sogar Recht. Aber mir liegt auch was an kulturellem Austausch, und wenn Christen und Heiden bei näherer Betrachtung feststellen, dass beide in der Quintessenz zwar verschieden, aber garnicht so fürchterlich sind, dann wäre ja schonmal was gewonnen. So ganz allgemein.

Und im Speziellen:

Heiden, die es über die pubertäre Findungsphase hinaus geschafft haben, dabei zu bleiben, wünschen sich eigentlich durch die Bank weg, dass ihre Glaubensrichtung ernstgenommen wird, dass man sie nicht mehr für bluttrinkende Vampirsatanisten hält (wobei die philosophischen Satanisten nochmal ein anderes Thema sind, die sind nämlich garnicht so grauselig wie die Bravo Fotolovestory das glauben machen will) und dass man in der breiten Masse der Gesellschaft unter den Religionen nicht mehr auffällt als andere. Dazu ist es aber notwendig, dass die Leute oder von mir aus auch die Kiddies einerseits reflektieren, was sie da treiben (nämlich auf dem Rücken anderer ihren Spaß haben) und gleichzeitig diejenigen, die sich geistiger Stabilität erfreuen und Willens sind, dem interreligiösen Dialog nachgehen.

Gut, sich in einer Wikingerkutte in die Messe zu setzen und demonstrativ finster dreinzublicken ist jetzt nicht gemeint. Klar. Gemeint ist vielmehr, sich zusammenzuschließen wenn es beispielsweise um Charityprojekte geht und dabei das auch ruhig unter heidnisch-christlicher Fahne laufen zu lassen. Natürlich nur wenn Interesse besteht. Klar, am Anfang gibt’s immer Skepsis denn beide Seiten haben die Bekloppten aus den anderen Lagern bereits kennengelernt. Aber wenn man ernstgenommen werden möchte, so als Heide in einem christliche geprägten Staat, dann geht das nur dann, wenn man sich so verhält, dass man auch als Person generell ernstgenommen werden kann.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Living Paganism IV: Christen? Pfui Spinne!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s