Warum Vegetarier und Veganer tatsächlich nerven…

Ja ich weiß, damit setze ich mich total in die Nesseln. Aber gut.

In meiner Vegetarierzeit wurde ich quasi totgenervt. Von Fleischessern. Sie sprangen förmlich hinter jeder Ecke hervor, krakehlten „FLAISCH!!!!!“ und hielten mir Steaks hin, in der Hoffnung ich würde mich angeekelt abwenden oder irgendetwas tun, was sie lustig finden konnten. Gut, das waren degenerierte Vollidioten deren Problematik nicht im Fleischessen sondern einfach in den Drogen im Trinkwasser bestand oder der Tatsache geschuldet war, dass sie aus Gegenden kamen in denen alle seit Jahrhunderten den selben Nachnamen haben. Seitdem habe ich mich gefragt, wie kommen Omnivore darauf, auf Vegetarier, die eigentlich nur passiv in der Gegend herumstehen, draufspringen zu wollen um sie zu quälen. Und ich bin zu dem Schluss gekommen: Weil die total durchgeknallten Nazi-Vegetarier den Leuten einfach eher im Gedächtnis bleiben als die, die sich einfach unauffällig bewegen (möchten).

Ich, die große Tierfreundin, habe Schafsfelle auf dem Sofa liegen. Jawohl. Und das mit Recht. Ich habe sie gekauft, sie gehören mir, und das war kein Versehen, ich habe nicht gedacht sie seien künstlich und ich weiß, dass dafür Tiere gestorben sind. Tiere, die Eltern und Kinder hatten, die sich gefreut haben, die Angst hatten und die Freunde hatten. Die dem Schäfer vertraut haben, die Lieblingsspeisen hatten.Und nein, ich habe nicht mit einer Wimper gezuckt als ich sie gekauft bzw. geschenkt bekommen habe.

Wie denn das? Man müsste als Tierfreund doch maximal abscheulich finden, dass es soetwas wie Schlachter, Fell und Leder überhaupt gibt. Man müsste solche Menschen, die selbst schlachten, am besten in diese großen Häuser sperren, wo am Gitter „Soja macht frei“ prangt. Müsste man doch, oder?

Mal halblang.

Sicher ist es löblich, lobenswert, notwendig, dass es Menschen gibt, die mit gutem Beispiel vorangehen. Die Fleisch und tierische Erzeugnisse aus ihrem Leben verbannen, weil sie nicht möchten, dass etwas für sie leidet oder stirbt. Anhand derer kann man sehen, was alles möglich ist, zu was der Mensch fähig ist wenn er denn will.

Aber Tiere essen Tiere. Ja klar, gähn, das Argument kennt jeder Halbvegetarier spätestens von der Sojawursttheke, an der man schief angequatscht wird, wie um alles in der Welt man „soooowas“ denn essen könnte.
Worum es mir geht ist, zunächst klarzumachen, dass diese Missionierungsversuche in egal welche Richtung absolut nervig sind. Nervig, unangemessen und anmaßend. Wenn mich ein Vegetarier derzeit mit seiner Bekehrungs-Leier nerven würde hätte ich nicht übel Lust, unaussprechliches mit seinen Gliedmaßen zu tun. Einfach weil ich weißgötter andere Baustellen habe, die sich an meine eigene Gesundheit knüpfen und keinen Raum für Bekehrungsschwafeleien lassen. Ich kenne die Videos von den Küken auf den Wasserstraßen, den Rindern, den Zuständen in Schweineställen. Und je mehr man mir davon zeigt, je mehr man mich moralisch damit unter Druck setzen möchte, angesichts solcher Bilder endlich Vegetarier/Veganer zu werden, umso bockiger werde ich. Einfach deshalb, weil diese Leute nicht wissen, was ich privat tue und lasse, um Tiere zu schützen, weil die Leute nicht wissen, woher ich mein Fleisch beziehe und weil die Leute nicht wissen, wann die Grenze zur Anmaßung überschritten ist. Es gibt sie nämlich tatsächlich, diese Vegetarier und Veganer, die mit vorwurfsvollem Blick, leidend, neben den Cocktailwürstchen stehen. Die auf dem Kreuzzug ins Glück sind und alle um sich herum daran teilhaben lassen wollen, weil sie „es“ verstanden haben und alle anderen mit ihnen zusammen gefälligst auch die Welt zu retten haben.

Und wenn man sich dann weigert?
Dann gibt es Krawall. Kreischen, zicken, das zeigen/posten von Schock-Fotos, Vorwürfe, verbales um-sich-schlagen, Beleidigungen, Rufschädigung.

Diese blind um sich schlagenden Kreuzzügler sind es, gegen die sich solche Präventivschläge richten sollen, wie sie mir passiert sind.

Ja, ich habe verstanden, unter welchen Umständen tierische Produkte erzeugt werden.
Ja, ich weiß, dass für Soja und Rindfleisch endlose Regenwaldflächen abgeholzt werden und die Erosion verhindert, dass sich der Wald dort wieder ansiedeln kann.
Ja, ich esse Fleisch, trage Leder, besitze Fell.
Und nein, es interessiert mich nicht, was andere dazu meinen. Da ist meine Situation zum Glück eine andere als die von Leuten, die in der Öffentlichkeit stehen und sich solchen Veggie-Nazis ausgesetzt sehen. Letztere gehen nämlich nicht einfach weg, wenn man höflich aber knapp antwortet. Sie bleiben. Sie bohren. Bis sie etwas haben, das sie sich auf ihre Homepage schreiben können um die „Enthüllungs-Story“ zu haben. Und wären sie keine Vegetarier wären sie links- oder rechtsextrem, homophob oder homophobie-phob – kurzum, sie hätten ohnehin einen Dachschaden. Bats in the belfry.

Ich bin im Übrigen der Meinung, dass wenn man schon Tiere tötet um sie zu essen, man auch ihre Reste verwenden kann. Ich koche Knochen aus und hin und wieder schnitze und feile ich an ihnen oder werfe sie auf den großen Schamanenhaufen. Und ich bin nicht die einzige Heidin, die das so sieht. Meine Familie sieht das so. Meine Freunde sehen das so. Und whothefuck cares überhaupt about Enthüllungsnerds in the interwebz.

Wenn man als Vegetarier ernstgenommen werden möchte, ist es am wenigsten hilfreich, wenn einem ständig irgendwelche Spinner in den Rücken fallen die unter der gleichen Flagge segeln und nur Scheiße von sich geben. Deshalb nerven die mich. Weil ich irgendwann auch mal wieder Vegetarierin sein werde und mit solchen nicht über einen Kamm geschoren werden will.

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5 Kommentare zu “Warum Vegetarier und Veganer tatsächlich nerven…

  1. Jep,und besoders nervig sind so rigide, völlig depotische Versuche in Gesellschaft… Essen mit Normalos und Verganern ist ja nicht einfach… Beim Grillen mit einem vegetarischen Päärchen wird sich beschwert, daß man überhaupt ein Fleischstück auf den gemeinsamen Grill legen möchte…Für sie existiert kein harmonisches Miteinander. Zetern rum und sind im wahrsten Sinnes des Wortes missionarisch. Sie wollen anderen ihren Lebensstil aufzwingen…

  2. Ich finde beides doof. Wenn man sich vegan ernährt und andere immer versuchen einem reinzureden, meinen das wäre ungesund und anderweitig irgendwelche Argumente gegen vegane Ernährung bringen. Mir ja auch egal, ob die Argumente belegbar sind, oder nicht, denn man kann doch selber entscheiden was man isst? Genauso ist es auch andersrum. Leute die einen belehren wollen nerven im allgemeinen. Ich esse vegan und mir ist es egal, was andere Leute sich auf den Teller tun. Ich koche auch für meine Familie „unvegan“ und hab da kein Problem mit. Leben und leben lassen!

  3. Bis auf das unnötige Denglisch ein toller Beitrag. Ich esse auch Fleisch, achte aber darauf, es von Bauernhöfen die selbst schlachten zu kaufen, bei denen die Tiere gut ernährt werden. Warum soll das schlechter sein als ganz darauf zu verzichten?

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