Kleiner Forendiskurs zum Thema mystifizierung der Götter und was das bewirkt…

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Jetzt gibt es viele Mythen, beispielsweise bei den Germanen die Edda, oder die Mythen der Griechen. Die auf den ersten Blick Parallelwelten, die für den Menschen nicht erreichbar sind, beschreiben.

Ja, die Götter leben da quasi in einer Parallelwelt. Und ja, so einfach ist das nicht, dort hinzukommen, namentlich hat man mit der Welt der Götter erst dann zu tun, wenn man nach Walhall oder Hel kommt (nach dem Tod) oder es passieren Zeichen und Wunder und Thor nimmt einen mit, weil man dafür gesorgt hat dass seine Ziege humpelt.

Ich setzte mich mal in den Verhaltensforscher und Psychologen, der sagt:
Man muss, wenn man das Konzept des Göttlichen verfolgt, diese Götter irgendwie transzendent machen. Sonst müsste man sich die berechtigte Frage stellen, warum die Götter nicht als fassbare Wesenheiten auf Erden wandeln, warum nicht alle an das gleiche Pantheon glauben und / oder ob es alle verschiedenen Götter gleichzeitig gibt oder sie bloß regional abhängig von den Umständen uminterpretiert wurden. Man käme dann sehr leicht zu dem Schluss, den Atheisten dann ziehen: Dass es Götter rational betrachtet garnicht gibt und man alles früher oder später mit Hirnchemie und Physik erklären kann.

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Der christliche Gott ist ein Prinzip der Allmacht, allerdings benötigt er, um sich mitzuteilen, speziell berufene Menschen, die seine Anforderungen den Menschen mitteilen.

Jaaaa…ain…
Der christliche Gott ist a) allmächtig aber b) hat Jesus als Gottes Sohn gesagt „Drehe einen Stein um und ich bin da…“ Aber ja, der christliche Gott nutzt gerne Propheten für seine größeren Aufträge, es ist aber den Christen jetzt nicht völlig fremd, Zwiesprache mit Gott zu halten und der Antwortet dann bisweilen auch was, irgendwie gearteterweise. Das kommt ziemlich darauf an, von wessen (evangelisch, evangelikal, katholisch, orthodox, Freikirchen, christliche Sekten mit 5 Mitgliedern die sich kaum nen eigenen Namen leisten können…)  christlichen Gott man nun spricht, das Spektrum geht von einem diktatorisch-diktierenden Gott über den freundlichen Opa hin zum wabernden Lichtnebel der über Gefühle kommuniziert… (und das ist das weniger abgefahrene Zeug.)
Aber eigentlich… so richtig eigentlich ist das jetzt keine Mysterien-Religion, dieses Christentum, sondern eine Offenbarungsreligion. Offenbar hat sich Gott da diversen Propheten offenbart (sorry…) und diese beauftragt, Gesetze niederzuschreiben und diverserlei Opfer zu bringen.

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Man kann hier nicht von einer allgemeinen Erfahrbarkeit sprechen, er ist also geheimnisvoll – mystisch.

Allgemeine Erfahrbarkeit ist eigentlich doch gegeben. Natürlich nicht bei Papierchristen die zu X-Mas mit rotweißer Bommelmütze in das Haus mit der großen Glocke pilgern um dort die Zeit bis zur Bescherung rumzukriegen. Eigentlich ist der Konsens sogar, dass ein jeder Mensch der rumläuft Gottes Kind ist, von Gott geliebt wird und sich im Gebet auch an ihn wenden kann. Gott ist in allem, durchdringt alles und alle sind Gottes Geschöpfe. Das ist jetzt nicht so richtig geheimnisvoll, wenn er doch überall rumliegt, der christliche Gott.
Ja sicher, Opus Dei, Papst, Vatikan, geheime Archive und Illuminaten sind mysteriös aber nä. Die sind jetzt mal egal.

Hingegen ist das, was die Druiden z.B. aus unserer Perspektive heraus gemacht haben, höchst mythisch mystisch (kleiner Scherz am Rande…). Da haben wir bis heute keinen richtigen blassen Schimmer von. Druiden haben ihr Wissen ja auch nur mündlich weiter gegeben. An Eingeweihte, die das ganze auswendiglernen mussten, und nicht einfach an jeden Kreti und Pleti der da vorbeikam. Das ist wohl schon eher mystisch. Weiß ja nicht jeder.

Offenbar ist „mystisch“ irgendwie standpunktabhängig.

Nehmen wir mal „mystifizieren“ und deuten das als „ver-geheimnisvoll-en“, so wie das in der Regel auch verstanden wird.

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Jetzt kann man natürlich hergehen und sie mystifizieren. Nur was macht man dann? Dann schiebt man sie ja weg, aus der diesseitigen Welt, aus unserem allgemeinen Erfahrungshorizont und verbannt sie in abstrakte, für Menschen nicht erreichbare Welten.

Wie ich ja anfangs aus meiner Psychologenposition heraus angedeutet habe, sind Götter und göttliche Wesen ja fast zwangsweise transzendent und leben an genauso transzendenten Orten. (Sonst könnte man ja auch einfach da hinspazieren und müsste nicht komplex von Elfen durch Zauberei da hinentführt werden o. ä., um mal ein bisschen Volksglauben einzustreuseln.) Sie sind sowieso nicht in der diesseitigen Welt so wie unsereins in der diesseitigen Welt am Computer sitzt. Da kann man diverse Denkschulen verfolgen, wo Götter denn nun genau sind. Meistens sind sie aber in ihrer Götterwelt und die kann sich entweder physikalisch über unserer Welt (Himmel) befinden oder unsere Realität durchdringen, vorstellbar durch sagen wir mal „Dimensionen“, wo einer durch den Wald geht und im Elfenreich landet und ein anderer die selbe Strecke geht und im normalen Wald bleibt, beispielsweise.

Jetzt wirds haarig:
Wenn ich mich also wieder in meinen Psychologen setze, der im übrigen auch stock atheistisch ist ( ;) ), sagt der „Der Verstand des Menschen ist an Kausalketten geschult.“ Was soviel heißt wie für uns gab es immer zunächst die Ursache, dann die Wirkung. Dinge, für die wir zunächst keine Ursache greifbar hatten, wurden dann als Gottes/Götterwerk bezeichnet. (Beispiele: Blitz und Donner oder echt unwahrscheinliche Zu- und (Un)Glücksfälle) Anders hätte sich unser Hirn nicht zu dem entwickeln können, was es heutzutage ist, das hieß Evolution.

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wie geht man damit um?

„Wie geht man damit um?“ oder „Wie geht man damit um, wenn man kein völlig durchgeknallter Extremist einer beliebigen religiösen Ausrichtung werden will?“
Nach persönlichem Gusto und liberal, hätte ich vorgeschlagen.

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a) man mystifiziert, indem man die Mythen in Wort und Schrift getreu auslegt, sie damit in der Ferne der anderen Welt (der Götterwelt) belässt, für den Menschen maximal nach dem Tod erreichbar;

Und? Ist das schlimm? Also ich hab da nichts bei dass meine Götter in Asgard wohnen und nur hin und wieder mal hier rumhängen. Da die Thelepathie können kann man sich auch so ganz bequem mit denen unterhalten. (Also mit anderen Worten, das Verweilen der Götter in einer für lebende Menschen unerreichbaren Welt ist kein Hindernis.)

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b) man nimmt sich den Grundgedanken, das Prinzip der Mythen und begreift sie als eine Beschreibung grundlegender Gesetzmäßigkeiten, ohne die Götter mystifizierend in den Mythen zu belassen, sondern sie als Charaktäre und diesseitige Kräfte zu begreifen.

Das sollte man sowieso tun und a und b schließen sich meiner Meinung nach auch garnicht aus. Da denkt man sonst zu separierend. -> Nur weil meine Götter in Asgard wohnen heißt das noch lange nicht, dass sie von Bottrop nix mitkriegen, weil wenn man das ganze zuendedenkt haben ebendiese Götter diese Welt (und somit auch Bottrop und die Menschen die hier Häuser gebaut haben) erschaffen. Tadaa, Problematik gelöst ^^

Edit: Kleiner Schwank aus meiner Schulzeit:
Meine Philosophielehrerin (wird einigen Bekannt sein, die Gutste… ) hat mal herausfinden wollen, wer aus dem Kurs denn Evolutionsleugner ist und hat mal so rumgefragt, Wie hältst du’s mit der Religion. Da hat diese Ente hier geantwortet „Da meine Götter alles geschaffen haben haben sie uns auch die Naturwissenschaften an die Hand gegeben, damit wir rausfinden können, wie der Laden funktioniert.“ Wenn man also mich fragt, was ich denke, was außerhalb unseres Universums ist, würde ich dreisterweise behaupten „Der Rest von Yggdrasil.“ ;)

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