Warum sehe ich eigentlich nix?

Da schlage ich die Zeitung auf und lese „Bombendrohung bei Zoo Zajac“.

Und frage mich „Bombendrohung? Bei Zoo Zajac?“, und erinnere mich, dass da ja was war. Zoo Zajac hatte vor einer Weile angefangen, Kätzchen zu verkaufen. Diese sitzen in großen Glaskästen, Deckenhoch, haben da Kratzbäume, Klos und Spielkram drin und alleweile kommt jemand vorbei und spielt mit den Miezen. Und ähnliches soll wohl nun mit Hundewelpen geschehen.

Gut, wenn man das so hört könnte man denken oh mein Gott, die armen armen Tiere. Werden in Glaskästen eingepfercht und alle gehen dran vorbei, schlagen mit den Händen gegen die Scheiben, krakehlen davor herum und machen die Tiere nervös.

Die Realität, so wie ich sie mitbekommen habe, ist eher so, dass die Leute an den (großzügigen) Glaskästen vorbeigehen, während sich die Miezenkinder drinnen balgen oder schlafen, oder von einer Mitarbeiterin mit Angel und Bällchen bespaßt werden. Die Kästen und Klos sind sauber. Niemand steht übergebühr lange davor, niemand prügelt gegen die Scheiben. Und oft interessieren sich die kleinen Kätzchen auch garnicht für das Außerhalb ihres Glaskastens, weil sie die Menschen draußen nicht riechen können.

Die Diskussion um Hunde- und Katzenwelpen bei Zoo Zajac ist aber keine Neue. Schon vor einigen Jahren, als das ganze noch als graue Theorie durch die Internetforen geisterte, so gegen 2007, als meine Miezen noch neu waren, da machten  sie mobil. Sie, die Mitglieder der Internet-Gerechtigkeits-Brigade. Sie besteht aus allerhand zornigen Leuten, die genau zwei Dinge können. Sich selbst in ihrem Spektrum rechtgeben, und andere verurteilen. Und das tun sie mit Inbrunst. Sie verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in einem beliebigen (Tier)Forum und Bilden Niedlichkeits-Seilschaften und, noch viel wichtiger, sie warten auf Krieg. Internetkrieg. Sobald sich irgendeine Gelegenheit bietet fallen sie wie die Furien darüber her und hinterlassen nichts als Flusen und Staub.

Ihr Mittel ist purer Aktionismus.

Sie stapfen in Zoohandlungen und stellen den Mitarbeitern peinliche Fragen über den Betrieb, wie das denn gehen soll mit den Welpen, was sich der Geschäftsleiter dabei gedacht hat, was das alles soll, wie das artgerecht sein kann, warum, weshalb, ob sie das verantworten können, und das mit einer uzihaften Frequenz, dass der Mitarbeiter dann je nach Gemütslage hilflos oder ungehalten wird. Ein sachliches Gespräch ist nicht erwünscht. Sie diskutieren solange, bis der Mitarbeiter einknickt. Und dann sehen sie sich bestätigt, egal welche Reaktion gezeigt wird.

Wer nicht in die Zoohandlung stampft, teilt die entsprechenden „Nachrichten“ über Facebook. Darauf angesprochen, ob sie denn schonmal in dem Geschäft waren, heißt es dann (schwitzig am Kragen kratzend) „Nein, aber … ich muss mir dann vielleicht mal selbst ein Bild machen… demnächst…“. Aha.

Und dann jetzt dieser Drohanruf. Ich frage mich an der Stelle mehreres:

1. Warum sehe ich, wenn ich durch den Laden streife, keine misshandelten, verhaltensgestörten oder sich gegenseitig anfressenden Tiere? Werden die immer bevor ich komme weggeräumt?

2. Ist es eigentlich sehr langweilig, da, wo die Leute aus den Katzenforen wohnen?

3. Ist dem Bombendroher bewusst, dass er trotz Rufnummernunterdrückung innerhalb von 10 Minuten von einem halbwegs begabten Pavian mit Polizeimütze und Kelle gefunden werden kann?

4. Wie ernstzunehmen ist eine dicke Frau in Radlerhosen und dreifarbigem Igelhaarschnitt, die keifend und gestikulierend versucht, dem Azubi klarzumachen dass er seine Seele an Tiermörder verkauft hat?

5. Ist es nicht wahrscheinlich, dass Zoo Zajac eine Alternative zu privaten Züchtern bildet? Vielleicht sogar eine preisliche?

5a. Und wenn dem so sein sollte, dass Zoo Zajac niedrigere Preise ansetzen kann als private Züchter, könnte es sein, dass die Leute dann eher dahin gehen, anstatt sich der Gefahr auszusetzen…

5b. … bei einem Züchter ein Tier zu kaufen, bei dem in jedem dritten Schaltjahr mal ein Kontrolleur vorbeikommt?

6. Ist es nicht praktisch, dass die meiste Zeit Kunden an den Glaskästen vorbeigehen, die sehen, wie es darin zugeht? Die also auch sehen können, dass es dort jeden Tag sauber ist und nicht nur an dem Tag, an dem man sein Tier dann abholen kommt?

7. Ist es vor der eigenen Haustüre möglicherweise so dreckig, dass man lieber bei anderen kehrt, wo weniger liegt?

Danke. Ich habe fertig.

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